Safety Cones, von Dennis Oppenheim

Die Enthüllung einer umstrittenen Doppelskulptur

 

 

Anwesend: ca. 10 % der Herforder Stadtbevölkerung, Kuratoren Jan Hoet und Roland Nachtigäller, der Künstler Dennis Oppenheim, Studierende, Kunstpublikum

 

Die Enthüllung der Skulptur „Safety Cones“ wurde von den Bürgern der westfälischen Stadt Herford, von denen angeblich bis zu 7500[1] dafür anwesend waren, lange antizipiert. Endlich gaben zwei weiß kostümierte und gepuderte, stark „französisch akzentuiert“ sprechende Gestalten auf Stelzen, (Leihgabe des lokalen Theaters), die überdimensionalen Leuchtkegel in der Kleinstadt frei. In der feierlichen Sichtbarmachung der „Safety Cones“, samt kleinen technischen Pannen beim Übertragen der Rede, inszenierte Jan Hoet als ehemalige Kurator des umstrittenen und vom Stararchitekten Frank Gehry entworfenen Museums MARTA die authentische Enthüllung perfekt. Die beiden „Cones“ waren züchtig in dunkelblaue, wallende Gewänder gehüllt, bevor sie das grelle orange der 5,5 Meter hohen „Pömpeln“ im grauen Spätnachmittag freigaben. Der Bürgermeister kam zu Wort, wie auch die beiden Kuratoren Der eine lies sich, sich seiner Popularität sicher, feiern (diese hatte er durch jahrelange strategischer Förderung provokativer und hoch anerkannter Kunst erworben), der andere, jüngere Nachfolger, Roland Nachtigäller, übersetzte die Rede des Künstlers elegant. Der Künstler erschien in interessanter Strickjacke, sichtlich gealtert, mit blassem Gesicht und weißem Haar, leicht gebeugt. Schlicht und „deadpan“ stach seine Ansprache gegenüber die der Würdenträger heraus: „Safety Cones haben mich immer glücklich machen. Deswegen habe ich sie einfach größer gemacht.“ Durch die Vergrößerung der grell orangen „Cones“ wird das Publikum relativ „verkleinert“[2].

Beinahe stünden sie nicht hier, gab es doch gar ein Bürgerbegehren dagegen, mit Unterschriftensammlung. Heute wird die Enthüllung von ca. 10 Prozent der Stadtbevölkerung – hauptsächlich Bürger_innen der Stadt und ein paar Zugereiste, gefeiert. Die Heftigkeit der Anti- „Cones“ Bewegung führten zu einer „pro Pömpeln“ Gegenbewegung in der Stadt, die es sich unter Anderem nicht nehmen lies, nicht nur ein, sondern zweimal je einen beinahe einen Meter hohe Kuchen in Form der Skulptur backen zu lassen – der erste wurde mit großem Effekt bei einem lustigen Auspackungsevent unter Anwesenheit vieler Kinder und anderen sympathischen Bürger_innen verteilt. Kunst geht durch den Magen, wird in den Körper eingenommen, Festivalisation komplett. Ehrenamtlich engagierte Bürger_innen machten Politik und „Kunstvermittlung“ und verkauften den Bürgern der Stadt erfolgreich die Anwesenheit dieser „Drop Sculpture“ für den umstrittenen öffentlichen Raum. Safety Cones ist eine Skulptur, die sich nicht auf den Ort bezieht, die nicht die Menschen der Stadt in diesem Werk sichtbar werden lässt, oder ihre Definitionsmacht verändernde Beteiligung in das Werk einbezieht, sondern eher aus dem Bedürfnis des Künstlers, sich sozusagen Poppig-expressiv zu betätigen, entstand. Das Durchsetzen dieser Skulpturaufstellung mit sichtbarem Einbezug der Bevölkerung löste in der Kleinstadt Herford ein nie da gewesenes Engagement für und gegen die zeitgenössische Kunst aus. Dem allgemein spürbaren Gefühl, bei der Planung und beim Bau des Museums übergangen gewesen zu sein, wurde damit gegeißelt und schließlich erfolgreich kompensiert. Die Qualität des Kunstwerkes und dessen formale Eigenheiten blieb dabei in der Berichterstattung um das Festival erst einmal außen vor, sowie die öffentlichen Kosten, die dieses Event und das Museum verursachten[3]. Die Skulptur wird wenig bis nicht in den Berichten zum Projekt beschrieben, schon gar nicht positiv, aber darum scheint es in diesem Event ohnehin nicht zu gehen: es geht stattdessen um das Prinzip „Demokratie“ die hier laut Bürgermeister „gesiegt habe“. Als Bürger zeigt man sich demokratisch künstlerisch interessiert. Die Platzierung der Kunst in diesem öffentlichen Außenraum wird offenbar unter Mitarbeit der Kurator_innen des traditionelleren „White Cube“ Museums verwendet um „Demokratie“ zu inszenieren und damit die Doppelskulptur zu legitimieren: Widerspruch wird dagegen implizit „undemokratisch“– wobei die Vermutung nahe liegt, das der „Sieg der Demokratie“ beschworen worden wäre, ob die „Pömpeln“ letztendlich da standen oder nicht.



[1]bei einer geschätzten Einwohnerzahl von 60 000.

[2] Dennis Oppenheim. Milano, 2009. S. 145

[3] Die Aufstellung der Safety Cones wurde gesponsort, das Enthüllungsevent zum größten Teil privat durch Spenden und Einsatz der Pro-Pömpeln Fraktion ermöglicht.